Jubiläumsjahr des Sozialverbands

Caritas im Erzbistum München und Freising wird 100

Trotz rundem Geburtstag muss sich die Caritas vielen Herausforderungen stellen. Neben Corona bereiten dem Vorstand auch die möglichen Folgen des Missbrauchsgutachtens Sorge.

Die Lebensmittelausgabe der Caritas in der Heßstraße im Jahr 1946. © Historisches Archiv des Diözesan-Caritasverbands München-Freising

München – Auf dem vergilbten Vereinsregister ist es in Maschinenschrift belegt: Am 10. Februar 1922 wurde der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising gegründet, hervorgegangen aus dem Katholischen Ortscaritasverband. Damals herrschte nach dem Ersten Weltkrieg Nahrungsknappheit und Armut –  die Caritas packte an und versorgte Hungernde mithilfe von Gulaschkanonen. Heute, 100 Jahre später, steht der Verband vor neuen Herausforderungen. Caritasdirektor Hermann Sollfrank, Vorständin Gabriele Stark-Angermeier und Vorstand Thomas Schwarz leiteten das Jubiläumsjahr in einem Pressegespräch ein – und trotz des feierlichen Anlasses, wurde auch die Sorge um die Zukunft deutlich.

Der soziale Arm der katholischen Kirche

„Waren vor 100 Jahren Krieg und Vertreibung die Auslöser für Not und Elend, ist es heute ein weltumspannendes Virus“, stellt Sollfrank fest und sieht Corona als Beschleuniger sozialer Ungleichheit, die die Arbeit der Caritas stark  forderten. Auch die Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens im Januar hat in der Erzdiözese Wellen geschlagen, die auch den Verband erfassten – ideell und finanziell. „Wie werden wir uns als Caritas, die sich als sozialer Arm der katholischen Kirche versteht, aufstellen, wenn diese Kirche als Institution immer mehr in Frage gestellt wird?“, merkt der Caritasdirektor an und plädiert für eine konsequente Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Auch in Hinblick auf die Bewegung „OutinChurch“ (Initiative und Comingout von queeren Mitabeitenden der katholischen Kirche, Anmerkung der Redaktion) forderte er die Weiterentwicklung der christlichen Unternehmenskultur und des kirchlichen Arbeitsrechtes. Hierbei könne die Kirche auch von der Caritas lernen, die die gesellschaftliche Pluralität bereits unter ihren Mitarbeitenden abbilde: „Die Caritas will offen und will vielfältig sein. Das wünsche ich der Kirche auch.“

Sorge um schwindende Gelder

Die steigenden Kirchenaustritte als Reaktion auf die Ergebnisse des Missbrauchsgutachtens bereiten dem Vorstand Sorge. Sechs Prozent des Umsatzes stammte im Jahr 2020 aus Zuschüssen der Erzdiözese, also aus Kirchensteuern. In Zahlen waren das 32 Millionen Euro von einer Bilanzsumme von 445 Millionen Euro. Finanzvorstand Thomas Schwarz sieht daher die Notwendigkeit, alternative Finanzierungsquellen aufzutun: „Eine gute Möglichkeit hierbei  liegt im Bereich der Spenden und des Fundraisings, mit denen wir eine gewisse Kompensation erreichen können.“ Weitere Möglichkeiten gebe es auch im Bereich der Unternehmensspenden und bei öffentlichen Geldern. Mit den Zuschüssen der Erzdiözese würde gemeindeorientierte soziale Arbeit finanziert, Beratungen oder beispielsweise die Antoniusküche, die kostenlose Essensausgabe in der Kirche St. Anton in der Münchner Isarvorstadt, oder der Foodtruck „Korbinian-Küche“ unweit des Münchner Hauptbahnhofes.

Keine Priorisierung von Not

Trotz finanzieller Fragen, die die Caritas in Zukunft immer wieder beschäftigen werden, bleibt der Verband seinem altbewährten Credo treu: „Not sehen und handeln“ und ist mit knapp 10.000 Mitarbeitenden der größte, soziale Arbeitgeber in München und Oberbayern. In mehr als 350 Einrichtungen und Diensten werden Menschen betreut, die Unterstützung in allen Lebenslagen benötigen. In den vergangenen 100 Jahren hat man sich zu einem modernen Wohlfahrtsverband entwickelt, der hilfsbedürftige Menschen nicht aus dem Blick verliert. Und so soll es bleiben, auch wenn finanzielle Fragen neu ausgehandelt werden müssen: „Not kann man nicht priorisieren“, betont Stark-Angermeier. „Not ist einfach vorhanden und bedarf einer sofortigen Hilfe. Das bedeutet für uns, dass wir entsprechende Angebote vorhalten, damit sich Menschen völlig unkompliziert an uns wenden können.“ (Eileen Kelpe, Volontärin Sankt Michaelsbund)

Zum Jubiläumsjahr hat die Caritas zusammen mit Historikern eine digitale, historische Ausstellung auf ihrer Website konzipiert, die die wechselvolle Geschichte des Sozialverbandes nachzeichnet und mit Bildern und Archivmaterial illustriert. Zudem gibt es multimediale Reportagen, ein Quiz und Veranstaltungshinweise, die in verschiedenen Einrichtungen der Erzdiözese stattfinden. Höhepunkt ist der Jubiläums-Festakt und Gottesdienst, der im Herbst in Rosenheim stattfinden soll.

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