Jahrespressekonferenz

Caritas-Arbeit ist Dienst am Menschen

Der Caritasverband des Erzbistum München und Freising zieht Bilanz. Caritasdirektor Georg Falterbaum hat klare Forderungen an die Politik.

Bei der Essensausgabe in der Münchner Schwanthalerstraße wurden täglich Menschen mit warmen Essen versorgt. © Kiderle

München – Schutzausrüstung, mehr Personal, bauliche Maßnahmen und digitale Technik: Die Corona-Krise hat den größten Sozialverband in Oberbayern zu weitreichenden Investitionen gezwungen. Gleichzeitig waren Einnahmeausfälle aufgrund von Aufnahmestopps und Schließungen zu verzeichnen. Diese Entwicklungen haben, wie es Caritasdirektor Georg Falterbaum formuliert, „ein deutliches Loch“ in die Kasse der Caritas gerissen. Bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes forderte er daher eindringlich eine Erstattung der Zusatzkosten und Mindererlöse. „Es kann nicht sein, dass wir den Laden am Laufen halten und dann die Dummen sind“, erklärte er.

Persönlicher Kontakt ist Grundlage für Hilfe

Vorstandsmitglied Thomas Schwarz verkündete eine Bilanzsumme von 438 Millionen Euro im Jahr 2019. Der Großteil der Einnahmen werde aus Umsatzerlösen und Leistungserträgen generiert. Dazu kämen öffentliche und kirchliche Zuschüsse, wie 30 Millionen Euro von der Erzdiözese München und Freising. Die meisten Ausgaben hat der Verband für Personalkosten zu verbuchen: „Und das ist auch gut so“, bekräftigte Schwarz. „Bei aller Digitalisierung dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Caritas-Arbeit Dienst am Menschen ist. Egal ob in der Pflege, in der Kinderbetreuung, in der Beratung oder in der Begleitung von Menschen mit Behinderung – der persönliche Kontakt ist oft die Grundlage, um Menschen langfristig und nachhaltig helfen zu können.“

„Heute beklatscht – morgen wieder vergessen: Das darf keinesfalls passieren.“

Mit großer Zufriedenheit blickt Falterbaum auf die außergewöhnliche Leistung der über 9.500 Mitarbeiter in den vergangenen Monaten zurück. Dass es erst eine solch große Krise brauchte, um die Bedeutung der Caritas-Arbeit in der Gesellschaft in den Fokus zu rücken, sei bedauerlich. Dennoch sei die Entwicklung erfreulich – und hoffentlich nachhaltig: „Heute beklatscht – morgen wieder vergessen: Das darf keinesfalls passieren. Ich fordere die Politik zu nachhaltigen Verbesserungen für die pflegenden und anderen sozialen Berufe auf.“ Die Begeisterung bei Jugendlichen für Pflegeberufe sei groß, das zeige die aktuelle Sinus-Studie. Abschreckend seien jedoch die geringe Bezahlung und die Arbeitsbedingungen.

Wandlungs- und anpassungsfähig

Falterbaum plädierte außerdem dafür, nicht ständig über neue Modelle von Freiwilligendiensten zu diskutieren. Stattdessen sollten bestehende Dienste wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und der Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) ausgebaut werden und Absolventen eines solchen Dienstes beispielsweise einen erleichterten Zugang zu zulassungsbeschränkten Studiengängen, mehr Taschengeld und einen höheren Zuschuss für ihre Unterkunft erhalten. Zu erwägen sei auch eine kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Es sei an der Politik, bessere Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement schaffen, etwa solle eine Aufwandsentschädigung für solche Tätigkeiten bei Hartz-IV-Empfängern nicht auf den Erwerb angerechnet werden. Dafür sollte es sich positiv auf die Rentenansprüche auswirken.

Als wandlungs- und anpassungsfähig habe sich die Caritas in den letzten Monaten erwiesen, resümierte Vorstandsmitglied Gabriele Stark-Angermeier. Ein Beispiel hierfür ist die Essensausgabe in der Münchner Schwanthalerstraße, wo in den vergangenen Monaten täglich 350 Menschen mit warmen Essen versorgt wurden. „Über ein Nachfolgeprojekt mit dem Titel ,Münchner Kindl Essen‘ für Herbst und Winter denken wir bereits nach“, berichtete sie.  „Für diese Aufgabe suchen wir in der Innenstadt in München eine neue Bleibe.“  (Katharina Zöpfl, Redakteurin bei der Münchner Kirchenzeitung) 

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