Verbrechen auf der Spur

"True Crime"-Fälle in Akten des Diözesarchivs entdecken

Im Archiv des Erzbistums München und Freising sind Aufzeichnungen der Pfarrer nachzulesen. Oft verstecken sich dahinter wahren Kriminalfälle. So wurde Archivar Roland Götz beispielsweise auf einen Mord in Miesbach aufmerksam.

Im Diözesanarchiv kann jeder wie Archivar Roland Götz stöbern, denn es stehen bereits rund 8 Millionen Seiten online © SMB/br

True Crime – also wahre Kriminalfälle – sind ein besonders erfolgreicher Trend auf dem Podcastmarkt und auch bei einigen Fernsehsendern. Oft wühlen sich die Journalisten durch stapelweise alte Akten und sprechen mit Ermittlern und Hinterbliebenen. Aber wenn das Verbrechen schon sehr lange zurück liegt und es gar keine Zeugen mehr gibt, dann kann man manchmal auch im Diözesanarchiv fündig werden.

Mordfall in Akten entdeckt

Dort liegen Akten, die aus den Pfarreien des Erzbistums stammen. Unter anderem auch sogenannte „Matrikelbücher“. Darin haben die Ortspfarrer Taufen, Eheschließungen und Totesfälle dokumentiert. Manchmal steht da aber auch ein bisschen mehr. Roland Götz vom Diözesanarchiv ist vor einigen Jahren sogar auf einen Mordfall aufmerksam geworden, weil der damalige Miesbacher Pfarrer in einem Eintrag aus dem Jahr 1801 nicht nur die Tatsache eines Todes und der kirchlichen Beerdigung vermerkt hat, sondern auch etwas zur Todesursache geschrieben hat.

Dort steht in einer schwer zu entziffernden Handschrift: "Am 23. Juni ist in ihrer Schlafkammer auf dem Boden mit einer Bethdecke ganz zugedeckt von den Kindern todt gefunden worden Maria Anna Hartlinn, Wasenmeisterin, die nach der gründlichsten Muthmaßung und gleichlautender Aussage der Kinder von ihrem Ehemann Joseph Hartl – einem durch viele Uebelthaten, durch diese also noch mehr berüchtigten Erzbösewicht und unmenschlichen Ungeheur – grausam ermordet worden ist, indem nach dem Parere des Hr. Doctors und der bey der Section anwesend gewesenen HH. Chyrurgen ihr der Hirnschedl durch einen Streich zerschmettert und ihr eignes am Leib gehabtes Schurztuch, sie zu ersticken, ihr sehr tief in den Hals mit Gewalt hinuntergestopft war. Sie war auch nach Aussage dieser Herrn schon im 5ten bis 6ten Monathe schwanger. Höllische Gräuelthat. – R.I.P."

Den Pfarrer hat der Vorfall offenbar so sehr schockiert, dass er sich neben allen sachlichen Informationen zu dem Kommentar hat hinreißen lassen, dass der Mann ein Ungeheuer sei, der offenbar schon so einiges auf dem Kerbholz hatte. Im Text wird von einer Wasenmeisterin gesprochen. Diejenige war in einem bestimmten Bezirk für die Beseitigung von Tierkadavern und die Tierkörperverwertung zuständig – und das war kein angesehener Beruf. Hier bekommt der Forscher also einen Einblick in das Leben von Menschen, die sonst kaum in den Geschichtsbüchern auftauchen, erkärt Roland Götz.

Online das Archiv durchstöbern

Roland Götz liest diesen Text übrigens nicht vom Papier ab, sondern vom Monitor des Computers, der im Lesesaal des Diözesanarchivs steht. Denn es stehen schon fast 8 Millionen digitalisierte Seiten online, die jeder kostenlos einsehen kann. Und es werden täglich mehr.

Ob der Ehemann für sein Verbrechen jemals verurteilt worden ist, das lässt sich aus den Akten allerdings nicht herauslesen. „Da müssten wir ins Staatsarchiv München gehen und zu den Polizei- und Gerichtsunterlagen des Landgerichts Miesbach aus der Zeit um 1800 greifen. Da würden wir mit einer erheblichen Wahrscheinlichkeit auch die Verfolgung und gegebenenfalls Verurteilung, vielleicht sogar Hinrichtung dieses Joseph Hartl finden“, erklärt der Archivar weiter.

Jeder kann nach "True Crime"-Fällen forschen

Das hat Roland Götz bisher nicht getan. Allerdings nicht, weil es ihn nicht interessiert hätte: „Es juckt mich natürlich immer, solchen Fällen nachzugehen, aber zumindest in dienstlicher Hinsicht muss ich mich da bescheiden.“ Denn das gehört nun mal nicht zu seinen Aufgaben. Aber einen ganz anderen Auftrag hat er dagegen schon: nämlich andere Menschen zu ermutigen, selber zu forschen. „Vielleicht fühlt sich ja jemand aus Miesbach und Umgebung dadurch veranlasst, selber im Staatsarchiv dieser Frage nachzugehen.“ Oder aber in dem großen Schatz des Diözesanarchivs Ausschau zu halten nach anderen True Crimes.

Interview mit Roland Götz über den grausamen Mord in Miesbach

Im digitalen Archiv des Erzbsitums München und Freising kann jeder auf Spurensuche gehen. Jeder kann in allen Verzeichnissen recherchieren und alle damit verknüpften Digitalisate einsehen. Weitere Services werden vor Ort angeboten.

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