Tier mit hoher Symbolkraft

Taube als Zeichen für Liebe, Frieden und Heiligen Geist

Wie die Feuerzungen zu Pfingsten gilt auch die Taube als Symbol für den Heiligen Geist. Außerdem wird sie mit Liebe und Frieden assoziiert. Lediglich in Städten wird sie meist nicht gern gesehen.

Berühmte Heilig-Geist-Darstellung von Bernini im Petersdom © Antoine - stock.adobe.com

Noah hatte einen Vogel. Genauer gesagt, zwei: einen Raben und eine Taube. Der Rabe hätte berühmt werden können. Doch als er nach der Sintflut aus dem Fenster der Arche freigelassen wurde, flatterte er nur hilflos in der Luft. Der erste Versuch der Taube war zwar auch nicht erfolgreicher, bei ihrem dritten Flug kehrte sie aber nicht mehr zur Arche zurück und zeigte so das Ende der Flutkatastrophe an. Wirklich bekannt geworden ist sie jedoch für den zweiten Flug, von dem sie einen Olivenzweig zur Arche zurückbrachte.

Schwieriges Verhältnis zum Menschen

Bei dieser Taube dürfte es sich um ein Männchen gehandelt haben. „Sie bringen den Weibchen kleine Zweige und Strohhalme als Geschenke“, erklärt Viola Dziuba, Taubenzüchterin aus München. So entstehen die einfachen Nester, die man so ungern auf dem eigenen Balkon findet. In der Stadt gelten die Vögel als fliegendes Ungeziefer, als Ratten der Lüfte. Völlig zu Unrecht, findet Dziuba.

Eigentlich handelt es sich bei den Stadttauben um verwilderte Brief- und Haustauben. Diese sind wiederum eine domestizierte Form der wild lebenden Felsentaube. „Sie sind nur so dreckig wie die Stadt, in der sie leben.“ Die 51-Jährige züchtet seit ihrer Kindheit. Mit sieben bekam sie ihr erstes Taubenpärchen. Mit dem Nordkaukasischen Positurtümmler wurde sie Zucht-Europameisterin. Sie weiß, dass Tauben eigentlich sehr reinlich sind.

Und nicht nur die Körperpflege beherrschen die Tiere: Sie sind widerstandsfähig, ausgezeichnete Flieger und gelten mit ihrer weltweiten Verbreitung als eines an den Lebensraum des Menschen am besten angepassten Lebewesen überhaupt. Evolutionär betrachtet ein echter Überflieger!

Vogel der Liebe

Wirklich punkten können Tauben mit diesen Eigenschaften aber bei den Wenigsten. Wenn Menschen über die negativen Gefühle gegenüber den Vögeln hinwegsehen können, dann vor allem bei Hochzeiten. Nach der Trauung weiße Tauben fliegen zu lassen, gilt als besonders romantisch. Die Ursprünge dafür lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen, erklärt Kunsthistorikerin Anna-Laura Iglesia vom Diözesanmuseum in Freising: „Damals galten Tauben, weil sie ihren Partnern ein Leben lang treu bleiben, als die Vögel der Liebesgöttin Aphrodite.“

Eine Zuschreibung, die sie sich aber nur halb verdient haben. Zwar gehen die Vögel tatsächlich in den meisten Fällen eine monogame Partnerschaft ein, Seitensprünge und Affären kommen hier aber genauso vor wie Trennungen, sagt Dziuba. Das Beziehungsleben der Tiere ähnelt dem des Menschen in vielen Punkten. Auch homosexuelle Partnerschaften kommen vor. „Bei den Weibchen erkennt man das einfach daran, dass in manchen Nestern vier Eier liegen, aber nie ein Junges schlüpft“, so die Züchterin.

Vogel Gottes 

In der Bibel hat die Taube nach der Sintflut ihren nächsten großen Auftritt erst wieder im Neuen Testament. Der Evangelist Markus berichtet, wie bei der Taufe Jesu im Jordan „der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam“. Ein Ereignis, das bleibenden Eindruck hinterlassen hat und die Vorstellung vom Heiligen Geist noch stärker prägte als das Pfingsterlebnis. „Wahrscheinlich weil die Taube einfach etwas plakativer ist als die Flammenzungen“, vermutet Kunsthistorikerin Iglesia.

Einen besonders guten Eindruck davon vermittelt Berninis Cathedra Petri im Petersdom in Rom: Eine weiße Taube fliegt in einem Strahlenkranz aus Licht in das Gotteshaus. Aber nicht nur dort kehrt der Heilige Geist bevorzugt in seiner gefiederten Form bei den Menschen ein. Im Berchtesgadener Land zum Beispiel schnitzte man im 19. Jahrhundert kleine Tauben aus Holz und hängte sie in einer Glaskugel über den Küchentisch, in der Hoffnung, dadurch den Segen des Heiligen Geistes zu erwirken. Wie gut das funktionierte, ist nicht überliefert. Ein anderer Effekt trat jedoch häufig auf: Gerade im Winter kondensierte der Dampf des Essens an der kühlen Glaskugel über dem Tisch und tropfte herunter, was dieser Heilig-Geist-Darstellung den uncharmanten Namen „Suppenbrunzer“ einbrachte.

Vogel des Friedens 

Dass die Taube heute nicht nur für Liebe und den Heiligen Geist, sondern vor allem für den Frieden steht, hat sie Pablo Picasso zu verdanken. Der spanische Maler griff 1949 die alttestamentliche Erzählung von Noahs Taube und ihrem zweiten Flug mit dem Ölzweig auf und machte sie zum Logo für den Weltfriedenskongress. „Das eigentliche Friedenssymbol ist hier aber der Ölzweig“, erklärt Kunsthistorikerin Iglesia. Die Taube überbringt Noah also die Botschaft, dass der Krieg zwischen Gott und den Menschen, die Sintflut, vorüber ist.

Picasso erkannte jedoch, wie wichtig der Bote für diese Nachricht ist und sorgte somit dafür, dass die Taube als Symbol bis heute untrennbar mit dem Frieden verbunden ist. Beim Maler selbst hat die Taube außerdem noch den Job des Storches übernommen: Am Abend des Friedenskongresses kam Picassos Tochter zur Welt. Und weil es so gut passte, gab er ihr den Namen „Paloma“ – das spanische Wort für Taube.

Der Redakteur und Moderator
Korbinian Bauer
Münchner Kirchenradio
k.bauer@michaelsbund.de

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