Erziehung

Thema Missbrauch: Wegducken gilt nicht!

Erwachsene müssen lernen, mit Kindern auch über schwierige Themen wie Missbrauch zu sprechen. Wie das gelingen kann, erklärt Expertin Yvonne Oeffling.

Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen zuhören. © Вячеслав Чичаев - stock.adobe.com

Kinder bekommen es mit, wenn Erwachsene Themen diskutieren, die sie bewegen. Das veröffentlichte Gutachten zu sexuellem Missbrauch an Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen durch Kleriker sowie hauptamtliche Bedienstete im Bereich der Erzdiözese München und Freising hat für viel Gesprächsstoffunter den Erwachsenen geführt. Das geht auch an den Kindern nicht vorbei. Sie haben Fragen und wollen Antworten. Die Aufgabe ist es also, Wege zu finden, damit die Thematik altersangemessen besprochen werden kann. Kinder brauchen an ihrer Seite kompetente Erwachsene, die ihre Frage beantworten. Darüber hinaus sind Erwachsene in der Verantwortung, für den Schutz Sorge zu tragen und mit einer positiven Vermittlung von Rechten der Kinder deren Kompetenzen und Lebensfreude zu stärken. Dies hilft Kindern aufzudecken, wenn ihnen Dinge passieren, die nicht in Ordnung sind.

Immer noch ein Tabu 

Sexueller Missbrauch an Kindern ist eines der ältesten Probleme in allen Gesellschaften. Darüber zu sprechen, scheint oft schwierig und ist häufig noch ein Tabu. Die Auseinandersetzung mit der Thematik, Wissen über die Strategien von Tätern und Täterinnen, Grundinformationen zu Formen von sexueller Gewalt und Fallzahlen sind eine wichtige Basis, damit Erwachsene als kompetente Ansprechparnter/-innen für Kinder agieren können. Elternabende zu sexuellem Missbrauch sind eine gute Möglichkeit, sich mit der Thematik gemeinsam auseinanderzusetzen. 

Wenn Kinder Fragen haben, können Eltern meist nicht einfach ad hoc eine Präventionsfortbildung besuchen, sondern sind gefordert, in dieser Situation altersgerechte Antworten zu geben. „Was hat der Pfarrer da gemacht?“ – „Es gibt Menschen, die Kinder gegen ihren Willen anfassen, manchmal tun das auch Priester. Das ist nicht in Ordnung.“

„Warum hören die nicht, wenn Kinder Nein sagen?“ – „Erwachsene, die so was machen, haben sich das vorher überlegt. Sie wissen, dass sie etwas tun, das Kinder nicht mögen, und halten sich nicht daran, wenn Kinder Nein sagen. Hilfe holen ist deshalb ganz wichtig. Eltern und andere Erwachsene sind dafür da, Kindern zu helfen.“ 

„Machen alle Pfarrer das?“ – „Nein, nicht alle Pfarrer machen das. Aber es gibt ein paar, die sich nicht an die Regeln halten, und das ist nicht in Ordnung.“

Hilfe holen ist auch eine Stärke

Für Kinder ist es wichtig zu wissen, dass es Personen gibt, die gegen ihren Willen handeln, dass dies aber nicht in Ordnung ist. Wenn erwachsene Bezugspersonen dies so thematisieren können, erfahren Kinder, dass sie es mit kompetenten Erwachsenen zu tun haben, die sie unterstützen, wenn ihnen Unrecht widerfährt. Darüber hinaus ist es der Auftrag der erwachsenen Bezugspersonen, stets deutlich zu machen: „Ich bin für dich da! Ich helfe dir, wenn du nicht weiterkommst! Du musst nicht für alles selber eine Lösung finden. Hilfe holen ist auch eine Stärke. Ich tröste dich, helfe dir und sorge für dich!“

Damit es Kindern leichter fällt, Hilfe zu holen und über sexuelle Grenzüberschreitungen zu sprechen, ist es gut, wenn Eltern Kinder in ihren Rechten stärken. Was können Eltern tun?
• Für Kinder ist es hilfreich, wenn sie immer wieder erleben, dass sie eigene Rechte haben und diese von Erwachsenen respektiert und unterstützt werden. Sie können dann schneller erkennen, wenn jemand ihre Rechte missachtet.

• Starken Kindern fällt es leichter, sich jemandem anzuvertrauen, wenn sie Hilfe brauchen. Deshalb ist es wichtig, das Selbstbewusstsein von Mädchen und Buben zu fördern.

• Die individuellen Grenzen von Kindern werden von Erwachsenen erkannt und respektiert. Erwachsene nutzen ihre Machtposition nicht aus und sprechen regelmäßig mit Mädchen und Buben darüber. Das hilft Kindern, Grenzüberschreitungen wahrzunehmen und zu benennen.
 
• Kinder erleben, dass ihre Gefühle wichtig sind und sie diesen vertrauen können. Mädchen und Buben, die in ihrer persönlichen Wahrnehmung gestärkt sind, lassen sich nicht so schnell manipulieren.
 
• Erwachsene nehmen sich wirklich Zeit, mit Mädchen und Buben zu reden und ihnen zuzuhören. Das gibt Kindern die Möglichkeit, über ihre Probleme und Anliegen zu sprechen. (Yvonne Oeffling) 

Münchner Kirchenradio

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