Jahrespressekonferenz

Münchner Caritas besorgt über Fachkräftemangel

Der Wohlfahrtsverband berichtet über Personalnot und die Auswirkungen der Cyber-Attacke. Auch die ungerechten Bildungschancen bereiten der Caritas Sorge.

V.l.n.r.: Vorstände Thomas Schwarz und Gabriele Stark-Angermeier, Caritas-Direktor Hermann Sollfrank © SMB/Bierl

Von einem Tag zum andern mussten Caritasmitarbeiter wieder mit Papier- und Kugelschreiber arbeiten, viel telefonieren und private Rechner nutzen. Im Herbst 2022 traf ein krimineller Hacker-Angriff die Caritas im Erzbistum München und Freising.  Der für Finanzen zuständige Vorstand Thomas Schwarz war monatelang damit beschäftigt, den Digitalbereich neu zu ordnen. Das war auch der Grund, warum der Verband nicht wie sonst im Sommer zu seiner Jahres-Pressekonferenz einlud, sondern erst kurz vor Weihnachten. Die Caritas musste neue Rechner anschaffen, alle Daten und Systeme prüfen, um sich vor weiteren Cyber-Attacken zu schützen. Bei über 350 Einrichtungen und fast 10.000 Beschäftigten in München und Oberbayern eine mächtige Herausforderung. Gleichzeitig nutzt die Caritas den digitalen Neuaufbau, um intern schneller arbeiten zu können als zuvor. So bedeutet es eine erhebliche Zeitersparnis, Dokumente nun gleichzeitig an verschiedenen Standorten aufrufen bearbeiten und abgleichen zu können.

Wie viel diese durch den Hacker-Angriff erzwungenen Maßnahmen genau kosten, steht erst im kommenden Jahr fest. Thomas Schwarz kalkulierte dafür bis zu 18 Millionen Euro ein, die im Haushaltsplan nicht vorgesehen waren. „Wir haben deshalb Rücklagen aus Überschüssen der Vorjahre aufgelöst, um dieses Minus auszugleichen.“ Die unerwartet in die Höhe geschossenen Energie- und Lebensmittelpreise schlugen mit weiteren fünf Millionen Euro zu Buche, so dass für das Geschäftsjahr 2022 insgesamt ein Defizit von über 23 Millionen Euro entstanden war. Die Risiken aus diesem Haushaltsabschluss seien „aber gut abgefedert gewesen“, so Finanzvorstand Thomas Schwarz, „und in den Folgejahren rechnen wir damit, wieder Überschüsse zu generieren“.

Bayern beschränkt flexiblen Einsatz von Fachkräften

Größere Sorgen bereitet den Caritas-Verantwortlichen der Mangel an Fachkräften besonders im Pflegebereich. Etwa zehn Prozent der Stellen sind nicht besetzt. Dabei kann die Caritas mit Tarifgehältern und vielen Zusatzleistungen etwa bei der Altersvorsorge werben, betont Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier. Immerhin ermöglicht es ein neues Bundesgesetz seit dem vergangenen Sommer die Fachkräfte gezielt einzusetzen. Ein Seniorenheim, in denen die meisten Bewohner nur eine niedrige Pflegestufe aufweisen, benötigt weniger Fachkräfte, dort können mehr sogenannte Pflegefachhelfer eingesetzt werden. Umgekehrt ist es in einem Haus mit sehr vielen gebrechlichen Menschen. Einem großen Träger von Altenheimen wieder Caritas ermöglicht das neue Bundesgesetz Spielraum, um qualifiziertes Personal nach Bedarf einzusetzen. Jedoch nur theoretisch: denn die bayerische Landesgesetzgebung in Bayern schreibt weiterhin in jeder Einrichtung eine Fachkraftquote von 50 Prozent vor, die wegen des Personalmangels sowieso kaum zu erfüllen ist und die vom Bundesgesetz ermöglichte Flexibilität blockiert. Gabriele Stark-Angermeier kündigt deshalb entsprechende Gespräche mit dem Sozialministerium an: „Da besteht dringender Nachbesserungsbedarf seitens des Freistaats.“  

Ungerechte Bildungschancen für Zuwanderer

Der Mangel an Pflegekräften wird die Caritas jedenfalls noch lange beschäftigen. Der Einsatz von Robotern wird jedenfalls noch einige Jahre auf sich warten lassen, erklärt Gabriele Stark-Angermeier. Ein langfristiger Versuch in Garmisch-Partenkirchen in Kooperation mit der Technischen Universität München, „macht schon jetzt klar, dass die robotischen Systeme direkt am Pflegebedürftigen nicht sinnvoll einzusetzen sind“. Es wird also weiter Fachkräfte mit Herz, Hirn und Hand brauchen. Darum verlangt die Caritas im Pflegebereich die stärkere Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Der Münchner Caritas-Direktor Hermann Sollfrank zieht den Kreis noch weiter. Mit Sorge sieht er die ungerechten Bildungschancen, insbesondere für Zuwanderer. Sie behindern den Beginn eines qualifizierten Berufslebens und verschärfen den Fachkräftemangel nicht nur in sozialen Berufen, sondern in allen Branchen. „Dadurch entsteht auch ein Problem für die Wirtschaft zusätzlich zum Armutsrisiko vieler Schulabgänger“, so Sollfrank und fordert Investitionen in das Bildungssystem. In der bayerischen Landeshauptstadt gilt mittlerweile jeder Siebte als arm, darunter auch viele Erwerbstätige. Besonders die hohen Wohnungsmieten machen den Betroffenen zu schaffen. Der Caritas-Direktor rechnet außerdem mit weiter steigenden Kosten für fossile Energien. Das bedeutet Investitionen in die Gebäude. Darum warnt Hermann Sollfrank auch davor, „das Soziale, Ökologische und Ökonomische gegeneinander zu stellen“. Genau das beobachte er aber zurzeit in der Politik: „Das spaltet die Gesellschaft und spaltet auch unser Land.“

 

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@michaelsbund.de

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