Jahrespressekonferenz

Caritas: Jubiläumsjahr voller großer Herausforderungen

Krieg, Inflation, Pandemie - viele Konsequenzen daraus treffen besonders die sozial Schwächeren. Das spürt auch die Caritas im Erzbistum München und Freising. Seit 100 Jahren steht sie Menschen in Not zur Seite.

Die Caritas im Erzbistum München und Freising gibt ihre Jahreskonferenz im 100. Jubiläumsjahr. © SMB/Bauer

Es ist erst ein Vorgeschmack, davor warnt Caritas Direktor Hermann Sollfrank. Krieg, Inflation, explodierende Energiepreise und dazu eine Pandemie, die auch im dritten Jahr immer noch nicht vorbei ist. Alles in allem eine Dauerbelastung für viele Menschen im Erzbistum. Immer mehr von ihnen kommen dadurch in Existenznöte und die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Für Sollfrank ein „latentes Pulverfass“.

Verdoppelte Nachfrage bei Essensausgabestellen

Gestiegenen Lebensmittelpreise und gestiegenen Energiekosten können schnell dafür sorgen, dass die Miete nicht mehr gezahlt werden kann, warnt Caritas-Diözesanvorständin Gabriele Stark-Angermeier. Wer von Wohnungslosigkeit betroffen ist, dem droht darüber hinaus der Verlust der Arbeit. Wer einmal in die soziale Abwärtsspirale hineingeraten ist, kommt aus ihr kaum noch heraus. „Da gilt es frühzeitig gegenzusteuern und zu helfen“, unterstreicht Stark Angermeier die Aufgaben der Caritas.

Darauf sind immer mehr Menschen angewiesen. Zu spüren sei das für den Verband zum Beispiel an der Nachfrage bei seinen Tafeln im Landkreis Dachau oder in Prien am Chiemsee, wo sich die Kundennachfrage in den letzten Wochen verdoppelt habe.

Auch in München ist die Essensausgabe Antoniusküche weiterhin Anlaufstelle für täglich hunderte Bedürftige. Das Angebot war eigentlich während Corona – als andere Hilfsmaßnahmen wegfielen – ins Leben gerufen worden. Heute gibt es diese anderen Hilfsangebote größtenteils wieder, trotzdem ist der Ansturm auf die Antoniusküche ungebrochen. „Das löst bei mir schon Besorgnis aus“, gesteht die Caritasvorständin, „dass ein Covid-Angebot inzwischen zu einem Armutsangebot für immer mehr Menschen wird.“ Mit der Landeshauptstadt München sei man deshalb auch eng im Gespräch, um zu klären, welche zusätzlichen Angebote hier entwickelt werden müssen.

Starke Schultern müssen Kosten der Krisen tragen

Während Corona so auf gewisse Weise dafür gesorgt hat, dass für die Pandemie geschaffene Angebote, in der aktuellen Krise fortgesetzt werden können, müsse aber auch der Staat jetzt mehr Hilfspakete schnüren, fordert Sollfrank: „Da kann man durch Wohnraummoratorium oder Nichtvollzug von Kündigungen durch den Energieversorger einiges tun.“ Der Caritasdirektor mahnt außerdem, dass schnelle Maßnahmen die langfristigen finanziellen und sozialen Kosten, die durch die aktuelle Krise entstehen, abmildern könnten.

So plädiert die Caritas für die steuerliche Entlastung von Rentner sowie unterer und mittlere Einkommen. Gleichzeitig müssen die sozialen Kosten aber auch refinanziert werden. „Wir müssen das gut auf die stärksten Schultern verteilen“, betont Thomas Schwarz, im Caritasvorstand für die wirtschaftlichen Belange verantwortlich. Wohlhabende und Grundstückbesitzer sieht er hier besonders stark in der Verantwortung.

Bessere Vorbereitung auf den Coronawinter nötig

Darüber hinaus warnt die Caritas auch davor, dass Corona noch nicht vorbei ist. Der Verband betreibt im Erzbistum 27 Altenheime, 117 Kindertageseinrichtungen, 23 Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sowie zahlreiche Beratungseinrichtungen und Dienste. Hier müsse für einen erneuten Coronawinter die Kommunikation zwischen staatlichen Organen und den Einrichtungen verbessert werden.

Zudem plädiert die Caritas dafür, die einrichtungsbezogene Impfpflicht wieder abzuschaffen und fordert schnell zu klären, wie es mit Maskenpflichten und kostenfreien Teststellen weitergehen soll. Außerdem verweist der Verband auf den Ende Juni abgelaufenen Coronarettungsschirm: Coronamaßnahmen, die in Pflege- und Alteneinrichtungen trotzdem aufrechterhalten werden müssen, würden so nicht mehr unmittelbar refinanziert.

Große Spendenbereitschaft der Bevölkerung

Neben den anhaltenden Krisen, die dafür sorgen, dass das Engagement der Caritas stark nachgefragt wird, steht so auch der Verband selbst vor Herausforderungen. Zwar konnte auch für 2021 ein ausgeglichener Jahresabschluss vorgelegt werden, Schwarz betont aber, dass das vor allem der großen Spendenbereitschaft vieler Menschen zu verdanken ist: rund 27,5 Millionen Euro kamen so durch Spenden, Erbschaften und Sammlungen zusammen. So hätten auch Einrichtungen und Dienste gefördert werden, die keine ausreichende öffentliche erhalten, so Schwarz.

Flüchtlingshilfe als Chance

Die größte Baustelle bei der Caritas bleibt weiterhin der Personalmangel. „Wir suchen händeringend Mitarbeitende“, betont Schwarz. Insgesamt sind aktuell 9.979 Mitarbeitende beim Verband beschäftigt. Gerade in Bereichen wie der Altenpflege besteht aber chronischer Fachkräftebedarf. Chancen könnten in einem anderen Aktivitätsfeld der Caritas liegen – der Flüchtlingshilfe.

Gerade im Umgang mit Schutzsuchenden aus der Ukraine zeige sich, wie schnell Menschen auf der Flucht geholfen werden kann, in denen man Ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht. Caritas-Direktor Sollfrank fordert, sich hieran ein Beispiel zu nehmen und auch für Geflüchtete aus anderen Ländern Hürden abzubauen bevor ein „Zweiklassen-Umgang“ mit Geflüchteten entstehe. „Wenn wir als Land weiterhin wirtschaftlich prosperieren wollen, dann sind wir auf so eine Veränderung der Einstellung gegenüber Geflüchteten dringend angewiesen.“

Reform des kirchlichen Arbeitsrechts gut für Personalgewinnung

So könnte gleich auf mehreren Ebenen etwas gegen die soziale Schieflage getan werden und gleichzeitig auch dem Personalmangel im sozialen Bereich entgegengewirkt werden. Bei der Caritas könnte sich im nächsten Jahr noch eine weitere Veränderung positiv auf die Personalgewinnung auswirken, hofft Sollfrank: Das kirchliche Arbeitsrecht soll reformiert werden und damit zum Beispiel auch der Diskriminierung von wiederverheiratet Geschiedenen und queeren Menschen ein Ende setzen.

Sollfrank sieht hierin die große Chance, für „eine Veränderung, wie wir uns als Dienstgemeinschaft selber wahrnehmen und auch Menschen ansprechen können“. Und so könnte zumindest ein kleines Geschenk dabei sein in einem herausfordernden Jahr, in dem der Caritasverband München und Freising zugleich seinen 100ten Geburtstag feiert.

Der Redakteur und Moderator
Korbinian Bauer
Münchner Kirchenradio
k.bauer@michaelsbund.de

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