Meinung
Kirchenbesuch

Warum Katholiken sonntags in den Gottesdienst gehen

Tradition, Sonntagspflicht, Gottesbegegnung - die Gründe für einen Besuch des Sonntagsgottesdiensts sind so verschieden wie die Menschen selbst.

Es gibt viele unterschiedliche Gründe, warum Menschen sonntags den Gottesdienst besuchen. © redaktion93 - stock.adobe.com

Ein kleines Gedankenexperiment vorweg: Stellen Sie sich vor, Sie wollen am Sonntag in den Gottesdienst gehen. Am Kircheneingang stehen freundliche Ehrenamtliche aus der Pfarrei. Aber anstatt Sie zu begrüßen, Ihnen Ihren Platz zu zeigen und auf Hygienemaßnahmen hinzuweisen, werden Sie gefragt, warum Sie hier sind. Und an dem Grund, den Sie nennen, bemisst sich die Höhe des Eintrittspreises. Bei kleinen Anliegen ein kleiner Betrag, größere Anliegen kosten etwas mehr und wenn Sie einfach nur da sind, weil es Ihnen gut tut, dann zahlen Sie zusätzlich noch eine Vergnügungssteuer.

Das alles ist natürlich nur ein gut ausgedachtes Szenario, mit dem ein Prediger vor einigen Jahren seine Sonntagspredigt begann. Auch wenn Touristen an manchen Orten Eintritt in berühmte Kirchengebäude bezahlen müssen, der Besuch des Gottesdienstes ist weltweit kostenlos. Und um das Wortspiel zu vollenden: Kostenlos, aber hoffentlich nicht umsonst. Doch wäre die Szene Realität, was würden die Gläubigen antworten? Was sind die Gründe für den Gottesdienstbesuch? 

Einblick in die Motivationen einzelner Gottesdienstbesucher

Lassen wir einige Gottesdienstbesucherinnen und -besucher zu Wort kommen: „Ich bin als Kind schon mitgenommen worden. Ich erinnere mich, dass ich eigentlich immer schon gerne in die Kirche gegangen bin. Ich habe natürlich schon auch im Hinterkopf, also zu meiner Zeit war das schon so, dass das auch eine Pflicht war. Aber ich meine aus Pflichtbewusstsein würde ich nicht unbedingt gehen.“ – „Ein Sonntag, wo ich in der Kirche war, ist mehr Sonntag, als ein Sonntag, wo ich zuhause geblieben bin. Das ist dann einfach nur ein normales Wochenende, aber das verleiht dem Ganzen so ein feierlicheres Sonntagsgefühl dann.“ – „Das ist Zeit für mich und den Herrgott natürlich.“

Diese Aussagen stammen aus Interviews, die in zwei Münchner Pfarreien geführt wurden. Die Gruppe bestand aus Männern und Frauen, Paaren und Singles, im Alter von 15 bis 78 Jahren. Sie alle vereint eines: Sie gehen regelmäßig in den Sonntagsgottesdienst. Die hier geschilderten Antworten sind nicht repräsentativ, aber sie geben einen kleinen Einblick in die Motivationen Einzelner.

Gottesdienstbesuch aus Tradition und als Kraftquelle

In den ausgewählten Zitaten werden einige grundsätzliche Gründe für den Gottesdienstbesuch angesprochen: Erziehung, Tradition, Pflichtgefühl. Und auch persönliche Beweggründe wie der Gottesdienst als Struktur für das Wochenende, als Kraftquelle und als Ort der Begegnung mit Gott sind entscheidende Faktoren: „Ich kann in der Kirche gerade am Sonntag immer wieder Kraft tanken, und das ist mir wichtig.“

Wertvoll ist vielen außerdem die Gemeinschaft, die im Gottesdienst erfahren wird. Dabei – und das mag überraschend erscheinen – ist für die jüngere Generation unter 30 Jahren damit eine konkret erfahrbare Gemeinschaft von Gleichgesinnten und Freunden gemeint, die sich jeden Sonntag in der Kirche trifft. Älteren Gottesdienstbesuchern geht es weniger um persönliche Kontakte, sondern die Erfahrung, Teil einer größeren und (etwa im Urlaub) weltweiten und universalen Glaubensgemeinschaft zu sein: „Es ist aber auch so wie ein Treffen oder wie jemanden besuchen. Die Kirche lebt, nicht nur als Gebäude für mich, da sind auch Menschen, die den gleichen Glauben haben wie ich.“

Biographie, Religiosität, Spiritualität und Gemeinschaft

Insgesamt lassen sich die Beweggründe in die Bereiche Biographie (Erziehung), Religiosität (Sonntagspflicht), Spiritualität (Gottesbegegnung) und Gemeinschaft einordnen und immer werden Motivationen aus mindestens zwei dieser Kategorien genannt. Es ist ein vielfältiges Bild aus Gründen, welche sich im Laufe des Lebens verändern können. Und auch Phasen im Leben, in denen der Gottesdienst eine weniger wichtige Rolle einnimmt, oder wo die Motivationen zur Mitfeier des Gottesdienstes nicht mehr erkennbar sind, beeinflussen aktuelle Beweggründe.

Es kann Mut machen, neu über die Relevanz des Gottesdienstes nachzudenken und in einer Zeit, in der viel über jene gesprochen wird, die die Kirche verlassen, auch einmal wieder auf die zu schauen, die Sonntag für Sonntag da sind. Denn sie haben durchaus etwas zu erzählen und sind sowohl aufmerksame Beobachter als auch treue Mitfeiernde der Liturgie.

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt in der Konzilskonstitution über die Eucharistie (Sacrosanctum Concilium): „Wenn der Bund Gottes mit den Menschen in der Feier der Eucharistie neu bekräftigt wird, werden die Gläubigen von der drängenden Liebe Christi angezogen und entzündet.“ (SC 10) Wie Christus den Menschen anzieht und entzündet und wann, das ist im Letzten ein sehr persönliches Geschehen. (Regina Frey, akademische Rätin a. Z. am Lehrstuhl für Pastoraltheologie der LMU München und Leiterin des Pastoralseminars der PTH Münster)

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