Sternenhimmel

Paten der Nacht kämpfen gegen Lichtverschmutzung

Klare Sommernächte eignen sich besonders, um Sterne zu bewundern. Weil es in der Stadt dafür aber meist zu hell ist, gibt es auf der Winklmoosalm Sternenführungen eines Physikers, der sich für dunkle Nächte einsetzt.

Bei hoher Lichtverschmutzung kann man in der Nacht keine Sterne bewundern. © pongpinun - stock.adobe.com

Etwa 70 Trilliarden Sterne gibt es im Universum. Das ist eine Sieben mit 22 Nullen. Heute sieht man davon keinen einzigen. Ein heraufziehendes Gewitter hat die Teilnehmer der Sternenwanderung in die kleine Bergkirche gezwungen. Etwa 30 Besucher sind in dieser Nacht auf die Winklmoosalm in den Chiemgauer Alpen gekommen. Trotz der Wolken gibt es von Manuel Philipp hier eine Tour quer über den Nachthimmel. Nur sechs Kerzen und ein etwa gymnastikballgroßes leuchtendes Modell der Sonne auf dem Altar spenden Licht.

Die Nächte werden immer heller

In knapp zwei Stunden nimmt der Physiker die Teilnehmer mit auf eine Reise durchs All und durch die Geschichte. Von den Dinosauriern bis zu Galileo Galilei. Von den größten Sternen der Galaxie bis hin zu den winzigen Atomen der Elemente, die in der Sonne entstehen. Der 50-Jährige will die Menschen an seiner Faszination für das Weltall teilhaben lassen und auf ein weithin unbekanntes Problem aufmerksam machen: Lichtverschmutzung. Gemeint ist damit jedes künstliche Licht, dass das natürliche Licht der Nacht – den Mond, die Planeten und die Sterne – überlagert. Ein wachsendes Problem, da Licht durch die inzwischen weitverbreiteten LEDs heller und billiger geworden ist.

Milliarden Tiere sterben durch künstliches Licht

Die Folge: Europa wird immer heller. Jedes Jahr nimmt die Lichtverschmutzung hier um fünf bis sechs Prozent zu. In großen Städten ist der Himmel in der Nacht inzwischen bis zu 40-mal heller als natürlich. Sterne kann man dort kaum noch sehen. Das wirkt sich auch auf die Umwelt aus, sagt Philipp. Das gesamte Leben auf dem Planeten sei seit Milliarden Jahre auf den Wechsel von Tag und Nacht eingestellt. Unzählige Arten richten sich in ihrer Orientierung und ihrem Lebenszyklus nach Anblick, Verlauf und der Konstellation der Gestirne. „Da geht es nicht um Ästhetik“, macht Philipp klar. Sondern ums nackte Überleben. Zum Beispiel wenn Schildkröten nach dem Schlüpfen die Sterne mit einer nahen Stadt verwechseln und statt zum Meer dorthin in den sicheren Tod kriechen. Darüber hinaus sterben allein in Deutschland jeden Sommer rund 100 Milliarden Insekten an Straßenlaternen.

Bewusstsein für Lichtverschmutzung soll gesteigert werden

„Dass das so krasse Auswirkung hat, dessen muss man sich erst einmal bewusst werden“, findet Sarah Grundmann. Die 25-jährige verbringt gerade ihren Urlaub im Chiemgau und sitzt bei der heutigen Sternenführung in der ersten Reihe. Für das Weltall hat sich die Vogtländerin schon seit ihrer Kindheit interessiert. Sie sagt: Wir Menschen müssen uns noch viel mehr dessen bewusstwerden, „dass wir nur ein ganz kleiner Teil von etwas ganz großem sind“. Und verstehen, welche Auswirkungen das menschliche Verhalten auf die Umwelt hat.

Winklmoosalm: Erster Sternenpark der Alpen

In einer Stadt wie München sind aufgrund der Lichtverschmutzung nur zwischen 100 und 200 Sterne zu sehen. Auf der Winkelmoosalm kann man bis zu 6.000 Sterne mit bloßem Auge erkennen. Künstliches Licht gibt es hier kaum. Damit das auch so bleibt, wurde die Winklmoosalm mit Hilfe von Manuel Philipp 2018 zum ersten Sternenpark der Alpen erklärt. Ein spezielles Naturschutzgebiet, dass sich einem möglichst dunklen Nachthimmel verschrieben hat. Nach Möglichkeit ist hier jedes Licht mit einem Bewegungsmelder ausgestattet – leuchtet nur dann, wenn es gebraucht wird – und auch nur so hell wie unbedingt nötig. Verwendet wird nur gelbliches Licht. Außerdem wird der Lichtkegel möglichst nach unten gerichtet, „sodass die Abstrahlung nach oben oder zur Seite so gering wie möglich ist“, erklärt Philipp.

Tiere größtenteils nachtaktiv

Das soll zum Beispiel verhindern, dass nachtaktive Insekten so lange um die nächste Straßenlaterne herumzuflattern, bis sie sterben. Wenn es dunkel ist, können sie so stattdessen in Ruhe Nahrung suchen und Pflanzen bestäuben, ohne vom gefährlichen Licht angelockt zu werden. Nach Bienen sind Schmetterlinge nämlich die wichtigsten Bestäuber. Rund 90 Prozent der Arten sind nachtaktiv.

Netzwerk will Nacht schützen

Um den Schutz vor Lichtverschmutzung auch abseits der Winklmoosalm an möglichst vielen Orten zu gewährleisten, hat Manuel Philipp die Organisation „Paten der Nacht“ gegründet. Für die Initiative wurde er 2021 mit dem bayerischen Umweltpreis ausgezeichnet. Knapp 50 Mitglieder hat die gemeinnützige Organisation inzwischen in Deutschland und Österreich. Gemeinsam wollen sie das Thema Lichtverschmutzung in der Bevölkerung bekannter machen und für die Lichtnutzung sensibilisieren. „Darüber hinaus beraten wir außerdem Gemeinden sowie Unternehmen und helfen beispielsweise dabei, Lichtpläne für Straßenbeleuchtungen zu erarbeiten“, erklärt Philipp.

Keine Angst im Dunkeln

Mit dabei ist auch Alina Baginski. Sie ist „Patin der Nacht“ und unterstützt Manuel Philipp bei seinen Sternenführungen. Bei ihrem Engagement denkt sie an künftige Generationen. „Ich möchte auch, dass mein Enkel noch den Sternenhimmel erlebt.“ Deshalb ist es ihr wichtig, Kindern die Angst vor der Nacht zu nehmen. „Da passiert nichts Böses draußen, nur weil da keine Straßenlaterne steht.“ Im Gegenteil: Gerade in der Nacht ist die Natur besonders aktiv und sorgt damit für die natürlichen Produkte, über die man sich am Tag freut.

Eine Nacht ohne Licht

Um auf diese Anliegen aufmerksam zu machen, initiierten die Paten der Nacht die Earth Night. Ein Projekt im September angelehnt an die „Earth Hour“ im Frühjahr, wo Unternehmen, Kommunen und Privathaushalte aufgerufen sind, eine ganze Nacht auf Licht zu verzichten. Aber auch im Alltag kann man eigentlich ganz leicht etwas gegen Lichtverschmutzung tun: „Einfach, indem man sich hinterfragt: Brauchts das?“, sagt Baginski. Gerade Außenbeleuchtung sollte man sich nach Möglichkeit sparen. Dafür hat man dann auch weniger Schnecken im Garten, versprechen die Paten der Nacht.

Inspirationsquelle Weltall

Was für die Umwelt gut ist, davon profitiert auch der Mensch, ist Manuel Philipp sich sicher. Der Nachthimmel ist für ihn noch viel mehr als ein Orientierungssystem und ein schöner Anblick. Er ist der Ursprung aller Elemente, aus denen die Welt besteht. Er zeigt der Menschheit, wo sie herkommt und wo sie vielleicht noch hinkommen wird. Er ist Inspirationsquelle für Religionen und Ursprung einer der ältesten Wissenschaften der Welt – der Astronomie. Außerdem kann er Menschen überall auf der Welt verbinden, ist der Physiker überzeugt. „Was sonst kann man wie den Mond auf unterschiedlichen Kontinenten gleichzeitig sehen?“

Der Redakteur und Moderator
Korbinian Bauer
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k.bauer@michaelsbund.de

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