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27.12.2011

Christ, der Retter ist da! Gedanken zum Fest von Kardinal Walter Kasper

Die wunderbare Wirklichkeit des Festes. Eine Betrachtung für Radio Vatikan.

 

Weihnachten ist das Fest der Geschenke und der Lichter. Eltern beschenken ihre Kinder, Eheleute und Freunde beschenken sich gegenseitig. Man schreibt sich Briefe und Weihnachtskarten und wünscht sich Frieden und Freude für das bald beginnende Neue Jahr 2012. Die Lichter auf den Plätzen und Straßen, in den Kirchen und Häusern strahlen wider in unseren Herzen und machen den manchmal grauen Alltag etwas licht und hell.

 

Weihnachten ist für viele, auch für solche, die nicht zu den Kirchgängern zählen so etwas wie der Traum und die Sehnsucht nach einer anderen Welt des Friedens, der Freude und der Freunde.

 

Für Christen ist Weihnachten mehr als ein Traum und mehr als eine Sehnsucht. Es ist eine unerwartete, wunderbare Wirklichkeit. Das Wort des Engels an die Hirten auf den Fluren von Bethlehem deutet diese Realität: „Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volke zuteil werden soll. Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“

 

In dem bekanntesten aller Weihnachtslieder „Stille Nacht, heilige Nacht“ singen wir: „Christ der Retter ist da!“ Er ist das Licht, das hereinleuchtet in die sonst oft dunkle Welt und der unser Herzen erhellt mit einem neuen hellen Schein. In ihm ist auf wunderbare Weise die Sehnsucht und der Menschheitstraum nach einem neuen Anfang und einer anderen, besseren, neuen Welt in Erfüllung gegangen. In dem lächelnden Kind in der Krippe strahlt etwas auf vom großen Glanz der himmlischen Herrlichkeit.

 

Die vielen schönen, uns oft noch aus Kindertagen vertrauten Weihnachtslieder sind nicht nur Stimmungsmacher. Sie wollen uns sagen: Ihr träumt nicht, es ist wahr, es ist wirklich. Das Wunder ist geschehen. „Es ist“, wie der Prophet Jesaja vorausgesagt hat, ein „Ros entsprungen“. Ein keines Blümlein an einem längst tot geglaubten Wurzelstumpf ist aufgegangen; gegen alle Erwartungen und in einer Weise wie man es niemals erwarten konnte ist dieser Stumpf nochmals aufgeblüht, „mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht“.

 

„Christ der Retter ist da!“ Gott hat uns nicht allein gelassen in der dunklen Welt; er ist zu uns gekommen, einer von uns geworden, nicht in den Palästen der Reichen und Mächtigen, er ist zu den kleinen Leuten, den armen und einfachen Hirten auf dem Feld gekommen in der Armut des Stalls. Den Alltag der allermeisten Menschen wollte er mit seiner Gegenwart und seinem Glanz erfüllen.

 

„Sage niemand, das sei nur ein Märchen oder ein Mythos, wie es viele gibt in der Weltliteratur. So harte Realitäten wie den Stall, dann die Flucht nach Ägypten, die dreißig stillen und verborgenen Jahre in Nazareth und am Ende der Galgen, das Kreuz, das alles erfindet kein Märchen. Das ist aus dem Leben genommen.

 

Das Gabengebet der Liturgie der Weihnachtsnacht deutet und das Weihnachtsgeschehen aus: Es spricht von einem wunderbaren Tausch: Gottes Sohn ist uns gleich geworden; er hat unsere armselige menschliche Natur angenommen, damit wir an seiner göttlichen Natur Anteil haben können.

 

So ist Weihnachten nicht eine äußere Revolution und ein äußerer, meist blutig verlaufender Umsturz; Weihnachten will unser Herz ergreifen und verwandeln. In unserem Herzen muss Christ, der Heiland, neu geboren werden, um uns innerlich froh und reich zu machen, so dass wir in die schönen Weihnachtslieder, die von der Freude sprechen, dankbar einstimmen können. „In dulci jubilo, nun singet und seid froh.“

 

Dann aber soll der Weihnachtsfrieden und die Weihnachtsfreude auch hinaus strahlen in die Welt. Weihnachten soll ein Tag der Geschenke, des Friedens, der Freude und des Freunde sein. Es soll ein Tag sein, den wir nicht nur im trauten Kreis der Familie und der Freunde verbringen, an dem wir vielmehr auch an die vielen denken, die wie Maria und ihr Kind wohnungslos sind, die auch an diesem Tag einsam sind, die auf der Flucht sind, die verfolgt werden wegen ihres christlichen Glaubens oder die sonst Unrecht und Gewalt leiden.

 

An uns ist es, das Licht der Weihnachtsnacht hinauszutragen zu denen, die die Botschaft „Christ der Retter ist da“ noch nicht vernommen haben oder sie sie nicht glauben können. Wenigstens ein wärmender Strahl der Freude und des Lichts soll auch sie durch uns treffen. Durch unsere Menschenfreundlichkeit soll die Freude, welche der Engel den Hirten verkündet hat, allem Volk zuteil werden.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Weihnacht und ein gutes Neues Jahr 2012. Möge Sie die Botschaft begleiten: „Christ der Retter ist da!“

 

 

(rv 25.12.2011 ord)

 

 


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