Bild: Mischpult mit Regler

Literatur


Irene Hausberger
Ausflüge zu Schriftstellern – Ludwig Thoma in Tegernsee
Berge, Jagdreviere und eine gute Bahnverbindung nach München: das waren die Umstände unter denen sich Ludwig Thoma wohl fühlte. Er fand sie am Tegernsee, wo er von sich von seinem Freund, dem berühmten Jugendstil-Künstler Ignatius Taschner, ein Haus in einheimischer Bautradition errichten ließ.1908 zog er dort ein. Damals war er frisch verheiratet, Chefredakteur der berühmten Satire-Zeitschrift „Simplicissimus“ und ein anerkannter, gesellschaftskritischer Autor.

Mit dem Haus "Auf der Tuften" sind Thomas unglückliche Liebesgeschichten verbunden und seine ideologische Hinwendung zum Nationalismus. Er schrieb dort sein klassisches Gedicht „Heilige Nacht“, genauso wie seine antisemitischen Hetzartikel für den „Miesbacher Anzeiger“. Die letzteren waren wahrscheinlich auch ein privater Rachefeldzug: Der jüdische Unternehmer Willy Liebermann von Wahlendorf war der Ehemann von Thomas großer Liebe Maidi Liebermann und willigte nicht in eine Scheidung ein. Der Schriftsteller vergrub sich in seiner Wut und in seinem Haus, in dem er 1921 starb. Als Erbin setzte er Maidi Liebermann ein, die das Anwesen im Originalzustand erhielt und schließlich der Stadt München verkaufte.

Fast unverändert dient es heute als Gedenkstätte. Sie ist nach Anmeldung (Ludwig-Thoma-Haus, Auf der Tuften 12, 83684 Tegernsee, Tel.: 08022/53 82) zu besichtigen. Irene Hausberger hält das Anwesen in Schuss und kennt es kaum jemand sonst. In unserem Audio-Beitrag führt sie durch das Haus.


Bild Startseite: Ludwig Thoma 1909, porträtiert von Karl Klimsch (© gemeinfrei)
Bild Unterseite: Irene Hausberger in der Stube des Thomahauses (© SMB)


Bildergalerie

Ludwig Thoma Homepage

Kurzbiografie Ludwig Thoma (pdf)


Literatur KW 36: Ausflüge zu Schriftstellern – Ludwig Thoma in Tegernsee

Lesetipps

Alissa Walser:
Am Anfang war die Nacht Musik
Piper-Verlag 252 Seiten, 19,95 Euro.

Olivier Ameisen:
Das Ende meiner Sucht
Kunstmann-Verlag, 318 Seiten, 19,90 Euro.

Yossi Klein Halevi:
Am Eingang zum Garten Eden
Suche nach Hoffnung mit den
Religionen im Heiligen Land
EOS-Verlag, 365 Seiten, 24,80 Euro.

Bisherige Folgen

Literatur KW 28-Heinrich Böll

Das Gewissen der Nation – 25. Todestag von Heinrich Böll Sein zerfurchtes Gesicht tauchte immer dann auf, wenn es um Frieden und Demokratie ging. Der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll war sich auch nicht für Sitzblockaden zu schade, als im schwäbischen Mutlangen Atomraketen stationiert werden sollten. Er wehrte sich gegen Kampagnen-Journalismus, der ihn als Terroristen-Sympathisanten verunglimpfte, und er unterstützte in der Sowjetunion verfolgte Schriftsteller. Bis zu seinem Tod 1985 war Heinrich Böll in der Bundesrepublik auch das Gewissen der Nation. Als Soldat im Zweiten Weltkrieg hatte er am eigenen Leib einen gnadenlosen Krieg und ein verbrecherisches Regime am eigenen Leib erlebt. Diese Erfahrungen konnte er als Schriftsteller so eindringlich gestalten, dass er ein international vielgelesener und populärer Autor wurde. Nicht umsonst verlieh ihm 1972 die schwedische Akademie den Literatur-Nobelpreis. Hinter seinem gesellschaftlichen Auftreten trat sein Werk nach und nach in den Hintergrund. Heute gilt Böll, der sein ganzes Leben in Köln zugebracht hat, schon fast als vergessener Dichter. Seine nicht nur engagierten sondern oft auch exzellent geschriebenen Bücher verdienen jedoch eine Wiederentdeckung. In unserer Literatursendung, die wir dieses Mal vom Kölner Domradio übernehmen, erinnert sich René Böll an seinen Vater.

Zur Rubrik

In unserer 15-minütigen Literatur-Rubrik stellen wir jede Woche interessante Neuerscheinungen vor. Weitere Bestandteile sind eine Lesung sowie Gespräche mit den Autoren.