Englisch: Vatileaks-Affäre ist großes Komplott
Das Leck im Vatikan, durch das vertrauliche Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, ist größer als bislang angenommen. Der festgenommene Kammerdiener des Papstes sei nicht „der Architekt dieses groß angelegten Verrats“, so Vatikan-Experte Andreas Englisch im Münchner Kirchenradio.
Es gebe keinen Zweifel, dass Paolo Gabriele „nur benutzt worden ist“. Der 46-jährige habe zur päpstlichen Familie gehört. Somit sei es kein Problem für ihn gewesen, an die Unterlagen in den Privatgemächern des Papstes heranzukommen. „Da geht man einfach von Vertrauen aus“, berichtet der Papst-Biograph. Zwischen Paolo und Benedikt habe ein „Sohn-Vater-Verhältnis“ geherrscht. „Dass das jetzt so verraten worden ist, da wird der Heilige Vater lange brauchen, um darüber hinwegzukommen“. Menschlich sei das „ein ganz tiefer Schlag“ für den Papst. Nun sei der Kreis, dem er noch vertrauen könne, sehr klein geworden. „Das ist schon sehr einsam geworden um den deutschen Papst“. Insgesamt handele es sich bei der Vatileaks-Affäre um ein „sehr großes Komplott“. Die Stapel von Briefumschlägen, die in Gabrieles Wohnung gefunden wurden, zeigten, dass da nicht nur zwei oder drei Personen beteiligt waren. Die Aufklärung durch die vatikanische Untersuchungskommission werde deshalb auch mehrere Monate dauern, vermutet der Vatikan-Kenner.
Der Kammerdiener sitzt zurzeit im Vatikan in Untersuchungshaft und soll in Kürze vor Gericht verhört werden. Der Vater dreier Kinder wird beschuldigt, brisante Dokumente, in denen es auch um Korruptionsvorwürfe ging, an Medien weitergegeben zu haben. Unter anderem sind geheime Schreiben in dem gerade erschienenen Buch „Sua Santità“ (Seine Heiligkeit) veröffentlicht worden. Der Vatikan hatte die Publikation vertraulicher Unterlagen selbst als „Vatileaks“ bezeichnet und so auf die Enthüllungsplattform Wikileaks angespielt. (ph)
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Vatileaks-Interview mit Andreas Englisch
- Dateien:
Vatileaks.MP33.9 M








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