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30.12.2010

Der unterschätzte Oberhirte: Vor 50 Jahren starb Kardinal Joseph Wendel

Silvester vor genau 50 Jahren starb der damalige Erzbischof von München und Freising, Kardinal Joseph Wendel, kurz nach dem Jahresschlussgottesdienst im Münchner Dom. Acht Jahre stand er an der Spitze der Erzdiözese, als er im Alter von nur 59 Jahren den Folgen eines Herzinfarktes erlag.

Kardinal Joseph Wendel (Bild: Archiv des Erzbistums München und Freising)

Die Todesnachricht sei für München und die Erzdiözese ein Schock gewesen, so Roland Götz vom Archiv des Erzbistums München und Freising. Entsprechend groß war auch die Trauer. Dies würden Fotos veranschaulichen, die lange Schlangen vor dem Dom zeigten, in dem Kardinal Wendel aufgebahrt war. Die Silvesterpredigt Kardinal Wendels trug die Überschrift: „Selig die Knechte, die der kommende Herr wachend findet“. Ein sehr beziehungsreicher Titel, findet Götz. Denn ein Flugzeugunglück in München, das nur zwei Wochen zuvor 52 Menschen das Leben kostete, nahm Wendel als Anlass für folgende Worte: „Seid wachsam, denn ihr wisst nicht den Tag, an dem der Herr kommt. Haltet euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet. Selig die Knechte, die der kommende Herr wachend findet.“

Der theologische Höhepunkt für Kardinal Wendel war ohne Zweifel der Eucharistische Weltkongress 1960 in München. Der Erzbischof habe dieses Großereignis über Jahre hinweg mit großem persönlichen Einsatz vorbereitet und sei maßgeblich an der Durchführung beteiligt gewesen, so Götz. Alle grundlegenden Entscheidungen seien unter Mitwirkung von Kardinal Wendel getroffen worden. Dieser bewarb sich aktiv beim Papst um die Ausrichtung des Eucharistischen Weltkongresses. Er habe damit die Hoffnung verbunden, dass die Vorbereitung und Durchführung dieser Großveranstaltung einen Schub für das kirchliche Leben im Erzbistum bringen würde, so Götz.

1956 wurde Wendel zum ersten Militärbischof der neu gegründeten Bundeswehr ernannt. Hier galt es, eine ganz neue Militärseelsorge aufzubauen, so Götz. Doch seine Rolle als Militärbischof brachte Wendel in Zeiten des Kalten Krieges nicht nur positive Reaktionen. Wegen seiner Tätigkeit sei er von Medien der DDR und anderen Ländern des Warschauer Paktes als Nato-Bischof bezeichnet worden, so Götz.

Erzbischof Wendel wurde 1952 zum Erzbischof von München und Freising ernannt, zuvor war er Bischof von Speyer. Er leitete die Erzdiözese in einer Zeit, als der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen war. Für die wachsende Bevölkerung mussten neue Kirchen errichtet werden. In diese Zeit fällt eine umfassende Bautätigkeit, sowohl was Kirchenbauten, als auch Wohnungsbauten kirchlicher Siedlungswerke betrifft. Eine weitere Aufgabe Wendels sei gewesen, die Seelsorge auf die sich gewandelten Zeitumstände auszurichten, so Götz. Durch kriegsbedingte Bevölkerungsverschiebungen, steigende Industrialisierung und Mobilität sei das kirchliche Leben stark beeinflusst worden. Hier habe es unter Wendel erhebliche Bemühungen gegeben, sich neu an die Menschen zu wenden, so Götz.

Kardinal Wendel steht heute immer noch im Schatten seines Vorgängers Kardinal Michael Faulhaber oder seines Nachfolgers Kardinal Julius Döpfner. Laut Götz liege das zum einen an der kurzen Amtszeit von Wendel. Kardinal Faulhaber war zuvor ganze 35 Jahre an der Spitze des Erzbistums. Und mit der Amtszeit von Kardinal Döpfner seien viele Veränderungen im Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verknüpft. Insofern bilde die Zeit unter Kardinal Wendel so etwas wie einen Übergang. Es solle aber immer mal wieder ein Blick auf diese Zeit geworfen werden, mahnt Götz, denn sie verdiene, als eigenständige Epoche in der Geschichte des Bistums betrachtet zu werden.

Nach seinem Tod wurde Kardinal Joseph Wendel in der Krypta des Münchner Doms beigesetzt. Sehenswert ist ein Epitaph an der Wand unweit des Sixtusportals in der Liebfrauenkirche. Die Gedenkplatte zeigt den Kardinal, den beim Durchschreiten des Domportals der Tod anfällt. (ks)

Der Eucharistische Weltkongress und Kardinal Joseph Wendel sind auch Thema der Ausstellung Zeit Läufe in St. Paul – 1960-2010 in München. Sie ist noch bis 22. Januar täglich von 8.30 bis 17 Uhr.

Ein Bischof des Wiederaufbaus – Gedenken auch in Kardinal Wendels Heimatstadt Blieskastel

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Roland Götz vom Archiv des Erzbistums München und Freising

Kardinal Joseph Wendel auf dem Eucharistischen Weltkongress 1960 in München (Bild: Archiv des Erzbistums München und Freising)
Letzte Ruhestätte von Kardinal Wendel in der Krypta des Münchner Liebfrauendoms (Bild: SMB)
Epitaph zum Gedenken an Kardinal Wendel beim Sixtusportal im Liebfrauendom (Bild: SMB)

Filmbeitrag zum Eucharistischen Weltkongress 1960 in München


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